Lerne Selbstmitgefühl und behalte eine gesunde Balance– Monthly Recap aus der Paartherapie: Juni

Was mich in diesem Monat so herausgefordert hat, wie in keinem anderen: Unzählige Male haben sich Trauma und Erotik die Klinke in die Hand gegeben haben. Wortwörtlich. Quasi stündlich. Dass Trauma und Erotik auch in einer Paartherapie thematisiert werden, ist weniger verwunderlich. Stattdessen lernte ich - und lerne wahrscheinlich immer noch - eine gute Balance meiner Psyche zu finden. Dafür musste ich Selbstmitgefühl lernen und in diesem Artikel teile ich drei Übungen, die mir geholfen haben.

Wie behalten wir eine gute Balance unserer Psyche?

Teile den Artikel doch mit deinen Liebsten! Dann könnt ihr gemeinsam Selbstmitgefühl lernen.

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Theoretisch bin ich mir bewusst, dass wir in einer Welt voller Gegensätze leben. Theoretisch bin ich mir bewusst, dass Licht in der Dunkelheit heller leuchtet oder sich Lust wegen der Angst vor Verlust intensiver anfühlt. Theoretisch bin ich mir bewusst, dass wir das Leben umso mehr feiern, desto mehr wir uns über unser Ende bewusst sind. Momento mori – Carpe diem. Haben wir das nicht in der Schule gelernt bevor YOLO kam? Theoretisch bin ich mir bewusst, dass Trauma und Erotik so normal in der Paartherapie sind wie Hefe im Pizzateig.

Praktisch ist dieses Bewusstsein für unsere Psyche nicht. Praktischer wäre, wenn wir wüssten, wie wir eine gesunde Balance zwischen Nähe und Distanz, Lebendigkeit und Schwere, Lust und Verlust, Leben und Tod, vielleicht sogar zwischen Abenteuer und Freiheit, Arbeit und Freizeit, Hoffnung und Loslassen finden würden. (Hier im übrigen ein Video, wie du mit falschen Erwartungen umgehen kannst) Praktischer wäre gelernt zu haben, wie wir mit diesen großen Themen umgehen können. Nicht mit abstrakten Konzepten in der Schule. Nicht in der Theorie. Nicht im Geiste. Sondern im Alltag mit Souveränität und Klarheit einen Spagat meistern zu können. Das wäre mehr als praktisch für unser psychisches Wohlbefinden.

Von Trauma zu Erotik und wieder zurück - wie kann eine gesunde Balance aussehen?

Das Herausfordernde für mich waren nicht die Themen an sich, sondern die emotionale Spannweite. Erotik bedeutet Lebendigkeit und Wachheit und Sinnlichkeit. Trauma konfrontiert uns mit der Möglichkeit zu sterben – auch ausgeschlossen und verlassen zu sein, kann sich existentiell bedrohlich anfühlen. Trauma ist Schmerz, Erotik Sehnsucht. Trauma braucht Langsamkeit und Geduld. Erotik will Energie und Dynamik. Erotik beginnt im Kopf. Trauma verheddert unsere Gedanken in Katastrophen und Chaos.

Trauma Zitat aus der Paartherapie. Warum ist Trauma so schwer? Und warum braucht es gerade dann Selbstmitgefühl in der Paartherapie.

Trauma und erotische Träume waren also meine Pole in der Paartherapie – aber haben wir nicht alle von Zeit zu Zeit diesen psychischen Spagat zu meistern? Im Job sollen wir klar, rational und professionell sein. Wenn wir dann 30 Minuten später zuhause sitzen, hingegen warm und liebevoll und nah wirken. Work-Life-Balance ist nicht nur eine Frage von Zeit und Organisation. Es ist auch eine Frage, ob wir die verschiedenen Teile unseres Selbst und Alltags gleichermaßen integrieren können. Können wir das Zarte und das Starke, Leichtigkeit und Tiefe, Nähe und Distanz verbinden, ohne daran zu zerbrechen oder davon wahnsinnig zu werden? Können wir Ruhe finden, wenn wir zwischen emotionalen Gegensätzen springen müssen? Können wir Balance und Resilienz finden, wenn wir an der äußeren Situation nichts verändern können?

Ich lernte Selbstmitgefühl, um wieder eine gesunde Balance zu finden

Lerne Selbstmitgefühl mir drei Übungen und finde  zu einer gesunden Balance deiner Psyche.

Das, was mir half um wieder in die Balance zu kommen, war Selbstmitgefühl. Selbstmitgefühl lässt mich entspannen, es gibt mir Raum für Kreativität und für Lösungen. Ohne Selbstmitgefühl werde ich ungeduldiger als ich es sonst bin. Mehr mit mir selbst – aber diese Ungeduld kann sich natürlich auch in meine Kommunikation einschleichen. Andere werden bei Druck aggressiv, traurig, apathisch, unflexibel. Manche fühlen sich hilflos. Andere verstecken ihr Gefühl hinter Streit und Nörgeleien und semi-konstruktiven Feedback - gerade, wenn ihre Liebsten krank und schwach sind. 3 Tipps, wenn etwa Depression eine Rolle in eurer Beziehung spielt, findest du in diesem Video. Und ich werde eben ungeduldig und unsicher. Ohne Selbstmitgefühl fällt es mir schwer, mein Gleichgewicht zu finden.

Kristen Neff ist Professorin für Psychologie an der Universität Texas und forscht intensiv über Selbsmitgefühl. Ein paar ihrer Übungen und Meditationen findest du hier, aber sie hat auch tolle Bücher geschrieben. Laut ihr sollten wir erstens zu uns selbst freundlich sein anstatt uns zu verurteilen, zweitens hilft es uns, unser Leid als menschlich wahrzunehmen anstatt uns zu isolieren und drittens, achtsam mit ihm umzugehen anstatt ihn zu ignorieren.

3 Übungen, um Selbstmitgefühl zu lernen

1. Wir dürfen nett zu uns selbst sein.

Positive Affirmation für mehr Selbstmitgefühl. Selbstmitgefühl lässt mich entspannen und gibt mir Raum für Lösungen.

Das klingt auf den ersten Blick ganz schön banal, aber in Momenten, in denen man einen Fehler macht oder überfordert ist oder meint, nicht die beste Version seiner Selbst gewesen zu sein, neigen wir ALLE dazu, uns selbst zu verurteilen.

Der erste Schritt ist also wirklich liebevoll und verständnisvoll mit sich umzugehen. Ich versuchte mich daran, mir selbst eine gute Freundin zu sein und stellte mir für ein paar Minuten bewusst vor, wie ich reagieren würde, wenn meine Freundin mir von ihrem Tag erzählt. Würde ich eine Freundin für ihre Fehler verurteilen? Oder würde ich sie mit freundlichen Worten, mit Geduld und Herzenswärme aufbauen? Ich würde niemals schlecht über eine Freundin reden und Kritik würde ich ehrlich, aber wohlwollend und konstruktiv äußern. Ich würde mir Zeit nehmen und ihre Themen ernst nehmen. Und vielleicht würde ich ihr sogar sagen, wie gut sie ist, wenn sie an sich selbst zweifelt.

Wer solche Worte gerade nicht für sich selbst übrig hat, kann zum Beispiel in einer Box Komplimente sammeln und sie sich in schwierigen Momenten durchlesen.

2. Wir sind nicht alleine.

Wir kommen oft aus dem Gleichgewicht, gerade weil wir uns alleine fühlen. Kristen Neff bezeichnet das als einen fast egozentrischen Gedanken. Es kommt uns so vor, als wären wir die Einzigen, bei denen es schlecht läuft; die Einzigen, die nicht immer die richtigen Worte; die Einzigen, denen dieser eine Fehler passiert; die Einzigen, die Probleme in ihrer Beziehung haben; die Einzigen, die sich einsam fühlen.

6 Sätze für mehr Selbstmitgefühl

Das stimmt natürlich nicht. Jeder von uns trägt sein Päckchen. Mich daran zu erinnern, dass ich eben nicht alleine mit meiner Erfahrung bin, ist wichtig, um Selbstmitgefühl zu lernen. Wenn Klient*innen hören, dass sie mit ihren Themen nicht die einzigen sind, atmen sich erleichtert durch. Für mich als Therapeutin ist das nicht anders. Wenn ich in der Supervision oder Intervision mit anderen Paartherapeut*innen spreche, geht es mir ebenfalls besser. Einfach weil ich merke, dass ich gar nicht so alleine bin mit meinem Thema. Nach Hilfe zu fragen, ist kein Zeichen von Schwäche. Nach Hilfe zu fragen, braucht Übung - und ist im Kern Selbstmitgefühl.

3. Wir dürfen Schwäche zeigen.

Unser Umgang mit Leid und Schmerz ist relativ jung. In anderen Epochen der Menschheit, wurde Leiden als menschlich akzeptiert. Manchmal wurde Leiden sogar idealisiert, wie Eva Illouz in Warum Liebe weh tut schreibt. (Man denke nur an die Leiden des Jungen Werthers)

Unser heutiger Umgang mit Leid und Schmerz ist ein anderer. Heutzutage würden wir beides wohl am liebsten ausklammern. Wahrscheinlich sind die meisten von uns so programmiert, dass sie Probleme schnellstmöglich lösen wollen. Dass wir negative Gefühle am liebsten wegschieben und ignorieren, steht im Gegensatz zu Achtsamkeit und damit Selbstmitgefühl.

Anderen erlauben wir oft selbstredend, dass ihr Schmerz, ihre Überforderung, ihre Angst und Trauer da sein dürfen. Wir sagen anderen: „Ja, es ist gerade schwer oder kompliziert oder anstrengend – und das ist in Ordnung. Negative Gefühle machen niemanden zu einem schlechten Menschen. Es wird wieder leichter und wir stehen das gemeinsam durch.“ Und das dürfen wir auch uns selbst sagen, wenn es eben schwer ist. Wir dürfen uns sogar ganz bewusst damit auseinandersetzen, wo und was denn genau gerade weh tut - das ist Achtsamkeit und die gilt es im Alltag auch für schwierige Situationen zu üben.

So ein Situation kann eben in der Paartherapie sein - aber das kann auch so etwas sein, wie zu spät zu kommen, zu Daten und sich zu verabreden.


Systemische Paartherapie und EFT-Paartherapie in München von Dr. Sharon Brehm. Praxis im Zentrum.

Auf meinem Blog findest du Wissenswertes über das Lieben: Von Interviews mit anderen Paartherapeut*innen und Kolumnen über Emotionen, bis zu Tipps bei Beziehungsproblemen. Eben alles, rund um Beziehungen, Dating, Trennungen, Verlieben, Emotionen.

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Ich bin Dr. Sharon Brehm und biete systemische Paartherapie und EFT-Paartherapie in München an. Meine Praxis für Einzel-und Paartherapie ist im Zentrum Münchens.

Fotocredit Titelbild: Helena Lopes via unsplash