Der Masterplan bei Streit in der Beziehung: Mehr Ichbotschaften, mehr Akzeptanz (Teil I)  

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Dieses Gefühl. Ausgezerrt und ausgewrungen zu sein, als hätte man sich gerade selbst durch den Fleischwolf gezogen. Einzelteile eines Wirs liegen wie Scherben auf dem Boden, dazwischen Wortfetzen, die niemand mehr zuordnen kann. Immer noch spitz, gefährlich, heftig. Ihre Ordnung schleuderten wir irgendwann zwischen Vorwürfen, Tränen und Wut gegen die Wand. Wir kennen dieses Gefühl alle. Das Gefühl nach dem Streit. Und auch wenn niemand ihn gerne hat. Streit gehört dazu – Pain is inevitable. Auch Eskalationen? Suffering is optional. Doch wie könnten wir es besser machen? 2 Tipps mit großer Wirkung für ein anderes Mindset. 2 Schritte, die es uns allen leichter machen.

 

#1 Akzeptieren, dass Streit auch in der besten Beziehung vorkommt

Ein Teil von uns schämt sich nach einem Streit. Wir schämen uns für Worte, die wir so nicht gemeint haben. Dafür, dass wir nicht perfekt sind und überhaupt streiten, zusätzlich hoch explosive Schattenseiten haben. Dafür, dass Themen so eskaliert sind - das hätte keiner erwartet und doch ist es passiert. Gleichzeitig ist da viel verletzter Stolz. So viel Ego. Und beides sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Nichts davon hilft oder löst das Dilemma.

Denn wer sich zusätzlich Sorgen darüber macht, ob der Streit das Ende einer Beziehung ist, kippt möglicherweise noch mehr Öl ins Feuer. Denn dann hängt ab jetzt über jeder kleinen Meinungsverschiedenheit ein Damoklesschwert. Den Frieden deswegen oberflächlich bewahren zu wollen, kann zu einer Implosion führen. Anstatt etwas auszudiskutieren, findet dann einfach ein leiser Abschied statt.

Die Alternative dazu bedeutet, Streit als etwas Normales zu akzeptieren. So wie Krankheit. Oder den Tod. Auch wenn wir nichts davon mögen – Akzeptanz kann uns helfen, bei diesen Themen nicht mehr zu eskalieren. Und stattdessen konstruktiv zu sein und zu lernen, wie wir besser streiten.

 

Streit bedeutet Entwicklungspotential

Denn Streit hat wichtige Funktionen. Wir verschieben im Streit unsere mentalen Grenzen. Streit ist nichts anderes als das Ausbrechen aus der Comfort Zone. Nur ohne physisch den Raum zu ändern. Gut, unerwartetes Ausbrechen. Aber ist das nicht viel authentischer? Ist das nicht wahres Horizont-erweitern? Streit ist eben nicht nach Marokko fliegen und dann All-Inclusive-Urlaub in den Hotelhochburgen zu verbringen, sondern sich in kleinen, verwinkelten Gassen zu verlieren.

Wichtig ist: Streit ist kein Zeichen dafür, dass man sich automatisch trennen sollte. Meine Erfahrungen aus der Paartherapie lautet: Streit bedeutet Entwicklungspotential! Streit bedeutet, du bist mir wichtig, unser Leben ist mir wichtig.

 

#2 Wir sind nur Experten für unser eigenes Leben.

Weil der Satz so einfach wie wichtig ist, schreibe ich ihn schamlos nochmal: Wir sind nur Experten für unser eigenes Leben.

Wir alle haben große Fantasien, was andere Personen besser/anders/weniger machen könnten. Vegane Ernährung. Mehr Sport. Öfters lesen. Mehr Entspannung. Mehr Verantwortung. Weniger Verantwortung. Mehr reden. Weniger reden. Die Liste lässt sich unendlich weiterführen. Und das Beste – uns kommen diese Erwartungen und Vorstellungen absolut plausibel vor. Weil wir genau in unsere Perspektive hinein gewachsen sind.

Natürlich ist es auch leichter, anderen zu sagen, wie sie zu einer besseren Version ihrer selbst werden würden, anstatt die eigenen Erwartungen und Erfahrungen zu hinterfragen. Doch jedeR kann nur ExpertIn für sein/ihr Leben – inklusive Worte, Handlungen, Taten. Du kannst niemandem etwas vorschreiben oder jemandem deine Perspektive aufzwingen. Auch wenn du es gut meinst. Das führt nur zu Streit.

Tipps aus der Paartherapie

Deswegen empfiehlt auch jeder Ratgeber Ich-Botschaften anstelle von Du-Botschaften. Hier ein paar Beispiele und stellt euch bitte auch einen freundlichen Ton zur Musik vor.

  • Warum hast du das gemacht? —> „Ich bin wütend, weil ich es nicht verstehe. Kannst du es mir erklären?

  • Du blöder Mensch. (ja fluchen ist keines meiner Talente) —> „Ich bin verletzt, weil

  • Nie machst du etwas im Haushalt. —> Ich kümmere mich um den Haushalt, doch es ist mir zu viel. Kannst du mir helfen?

  • Beruhig dich! —> Was kann ich tun, damit wir wieder zusammen finden?

  • Mach doch schneller! —> Darf ich übernehmen?

Warum das so viel besser ist? Der oder die andere hat genauso gute Gründe so zu handeln wie du das Verhalten zu kritisieren. Die Situation ist patt. Unentschieden. Doch das ist auch nicht das, was wir uns wünschen, oder? Wir wünschen uns, dass der andere uns versteht. Wir wünschen uns Verständnis, echtes, ehrliches Angenommen-werden. Wer das begriffen hat ist schon einmal einen guten Schritt weiter. Jetzt kommen noch zwei Schritte – die ich im nächsten Blogbeitrag beschreiben werde.


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Dr. des. Sharon Brehm bietet Paartherapie in München an. Damit Paare wieder glücklich werden, die es einmal waren. Um Resilienz aufzubauen. Das Vertrauen in die Beziehung wiederzugewinnen.

Bildquelle: Belinda Fewings via unsplash