Der Masterplan bei Streit in der Beziehung. Wie wir weniger streiten (Teil II)

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In diesem Blogpost bin ich bereits auf die ersten zwei Tipps für weniger Streit in der Beziehung eingegangen. Der erste Tipp war Akzeptanz. Streit und Meinungsverschiedenheiten sind oft sogar ein Zeichen für eine besondere Nähe.

Zweitens ging es darum, Verantwortung für die eigenen Gedanken und Handlungen zu übernehmen. Auch wenn die oder der Andere (aus unserer Perspektive) gerade einen Fehler macht – wir müssen ja nicht gleich einsteigen und haben immer die Möglichkeit, einen freundlicheren Ton einzuschlagen, konstruktiv zu bleiben und Ich-Botschaften zu senden. Verbindung und Verständnis sind die zwei Dinge, die uns helfen weniger zu streiten. In diesem Artikel möchte ich von zwei weiteren wichtigen Tipps erzählen, damit wir weniger streiten

 

#3 Neugierde und ehrliches Interesse, um weniger zu streiten

Gerade im Streit fällt es schwer, neugierig und offen zu bleiben. Wir denken, unsere eigene Position sei gefährdet: „Wenn ich jetzt einknicke, dann werde ich immer und immer wieder verlieren.“ Oder „Warum sieht der/die Andere nicht, wie verletzt ich schon bin?“ Doch Neugierde und ehrliches Interesse sind nie verloren. Im Gegenteil: Sie bedeuten Gewinn. Immer.

Verloren ist der Streit, wenn wir nichts daraus gelernt haben und es nur zu Verletzungen kam. Weinen, eine laute Stimme, Beleidigungen, Kritik, Schuldzuweisungen, Arroganz und Selbstgefälligkeit sind genauso schmerzhaft wie Rückzug und Flucht – für alle Beteiligten.

Verständnis anstatt Streit in der Beziehung

Im Gegenteil dazu helfen uns Verständnis und freundliches Nachfragen, um weniger zu streiten und den Streit in eine produktive Chance für Wachstum zu ändern. Denn über unser ehrliches und zugewandtes Interesse bauen wir die Verbindung wieder auf, die wir eigentlich mit unseren Lieblingen haben.

 

#4 Zwiegespräche: Prophylaxe, um gar nicht erst zu streiten

Aus der Paartherapie weiß ich, dass Menschen eigentlich niemanden verletzen möchten – aber sie möchten in ihrem Mangel gehört werden und um das zu erreichen, verwenden sie manchmal kindische Mittel. Dadurch, dass wir der anderen Person Raum gegeben haben, können wir ihre Frustration, Wut, Angst in gemeinsames Wachstum lenken.

Wir können Streit auch vorbeugen, indem wir diese Räume schon früher kreieren und quasi prophylaktisch arbeiten. Ich habe gute Erfahrungen mit dem Konzept von „Inselgesprächen“ oder „Zwiegesprächen“ gemacht.

Vorteile dieser Form von Dates sind

  • Stärkung der Verbindung der Beziehung

  • Quality Time anstatt nur Gespräche über Organisatorisches

  • ein Gleichgewicht von „Geben“ und „Nehmen“. Denn auch Erzählen und Zuhören sind Ressourcen einer Beziehung;

  • Möglichkeit, sich selbst besser kennenzulernen und gemeinsam zu wachsen.

  • Raum für eigene Reflexionen

How-To für Zwiegespräche

Michael Lukas Möller beschreibt in die „Wahrheit beginnt zu Zweit“ sehr ausführlich, wie Zwiegespräche ablaufen können. Die Abwandlung, wie ich sie gerne praktiziere (und die auch in stressigen Phasen gut funktioniert), sieht folgendermaßen aus:

  1. Jeder bekommt 10 Minuten. In dieser Zeit zeichnet jeder ein Selbstportrait von sich und beantwortet Fragen wie: Was beschäftigt mich? Was macht mich glücklich oder bedrückt mich im Allgemeinen? Anstatt Schuldzuweisungen zu äußern empfehle ich die Frage: Woher kenne ich das Gefühl, das ich in unserem Streit erlebt habe?

  2. Wenn jemand nicht reden möchte, darf er in seiner Zeit auch schweigen.

  3. Die andere Person hört in dieser Zeit aufmerksam zu.

  4. Wenn beide ihre 10 Minuten hatten, nehmt euch nochmal 10 Minuten Zeit, um darüber zu reden, wie es war, was neu war und was ihr teilt. Wenn Streit oder Konfliktpunkte angesprochen wurden, werden diese während der Zwiegespräche nicht nochmal ausdiskutiert – jeder hat das Recht auf sein Selbstporträt.

  5. Besonders wichtig ist die Wertschätzung für die gemeinsame Zeit am Ende: „Danke, dass du mir dein Selbstporträt gezeigt hast.“

  6. Paartherapie-Plus-Tipp: Schafft eine Atmosphäre, die ihr bewusst mit Frieden und Harmonie assoziiert. Vielleicht ist dies ein Spaziergang in der Sonne, euer Lieblingscafe oder eine eigene Playlist? Vielleicht ist es ein bestimmter Zeitpunkt in der Woche, wie Sonntagvormittag? Vielleicht wollt ihr Kuchen essen oder Wein trinken? Macht euch einfach eine schöne Zeit, in der ihr eine Verbindung aufbaut, damit es weniger zu Streit kommt.

Ich wünsche euch viel Frieden! Wenn ihr noch weitere Fragen zum Thema Streit habt, hinterlasst gerne einen Kommentar.  

 


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Dr. des. Sharon Brehm ist Paartherapeutin und Love Coach in München. Die Bandbreite menschlicher Emotionen findet sie faszinierend - und in Konflikten sieht sie die Möglichkeit für Wachstum. Mithilfe systemischer Methoden hilft sie Paaren, ihr Potential auszuschöpfen.

Bildquelle: Sweet Ice Cream Photography via unsplash