Beziehungen als Investment - Was wir aus der Wirtschaft lernen können?

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“The relationships you have with family and close friends are going to be the most important sources of happiness in your life. But you have to be careful. When it seems like everything at home is going well, you will be lulled into believing that you can put your investments in these relationships into the back burner. […] The time when it is most important to invest in building strong families and close friendships is when it appears, at the surface, as if it’s not necessary.” – Clayton Christensen

Dieses Zitat ist nicht aus der Paartherapie, sondern von keinem geringeren als Clayton Christensen, Professor für Business Administration an der Harvard Business School und damit einem der einflussreichsten Unternehmensberater und Autoren weltweit. Und jetzt sagt dieser Mann, investiert in euer Privatleben!

 

Warum Clayton Christensen uns Paartherapie empfiehlt?

Clayton Christensen stellt sich in seinem Bestseller „How will you measure your life?“ die Frage, warum so viele seiner damaligen Mitschüler an der Harvard Business School – intelligente, zielstrebige, reflektierte Menschen – Jahre später in existentiellen Lebenskrisen stecken. Wie kann es sein, dass Männer, die überdurchschnittlich schlau und willensstark sind, trotzdem Scheidungen durchmachen müssen? Wie kommt es, dass derartig intelligente Personen Beziehungsprobleme nicht lösen können? Und ist es nicht seltsam, dass Familien zerbrechen, obwohl man doch gerade für seine Familie arbeitet und Geld verdient?

Das Problem ist also offensichtlich nicht mangelnde Intelligenz, mangelndes Wissen, mangelnder Willen. Das Problem ist die Zeit. Wir glauben, wir können und müssen unser Leben in Sequenzen einteilen. Jetzt die Karriere, später die Familie. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Die Mitte unseres Lebens, „the Highway of life“, widmen wir unserem Berufsleben. Später könnten wir uns ja immer noch ausruhen und uns Zeit für unsere Familien und Freunde nehmen. Später. Irgendwann. Dann, wenn es weniger stressig ist. Die Zukunft, ein magisches Land unbegrenzter Möglichkeiten.

 

Emotionale Entfremdung als häufigster Trennungsgrund

Keiner möchte Überstunden leisten und knapp vor dem Burn-Out stehen, nur um dann verlassen und geschieden zu werden. Was wir dabei allerdings vergessen: Wenn wir erst in unsere persönlichen Beziehungen investieren, wenn wir den Halt unserer Familie, das Verständnis unserer Freunde, die Zuneigung unserer Kinder bräuchten, ist es häufig zu spät. Wenn Beziehungen Langzeit-Investments seien sollen, müssen wir sie auch so behandeln.

Nicht nur Clayton beobachtet, dass zielstrebige, reflektierte Menschen sich scheiden lassen ist, sondern auch neuste Studien zeigen die harte Realität auf. Denn inzwischen lassen sich immer mehr Frauen scheiden – und ein Großteil dieser Frauen nennt „emotionale Entfremdung“ als den Trennungsgrund Nummer 1.

Dabei wissen wir eigentlich selbst: Vertrauen entsteht nicht über Nacht. Tiefe Verbundenheit braucht kontinuierliche Pflege. Erinnerungen, über wie wir später lachen möchte, müssen erst einmal erlebt werden.

 

Wie investiere ich in eine Beziehung?

So weit zu gut, jetzt wissen wir also, dass wir in unsere Beziehungen investieren müssen. Aber Zeit fällt doch nicht vom Himmel. Wie kann ich diese emotionale Entfremdung verhindern, obwohl ich eh schon gestresst bin?

Zum Thema Investment in Beziehung könnte ich wohl Bücher schreiben (und wenn euch das interessiert, schreibt mir gerne oder hinterlasst einen Kommentar). Ganz davon abgesehen, habt ihr wirklich die Zeit für ein ganzes Buch? Deswegen gebe ich euch an dieser Stelle drei ganz konkrete Tipps mit:

 

Tipp 1: Setze Prioritäten

Die erste Frage, die sich jeder stellen muss: Was sind meine Prioritäten in meinem Leben? Was für ein Leben möchte ich führen? Möchte ich tiefe, vertrauensvolle Beziehungen zu meinen Mitmenschen aufbauen? Oder reichen mir Unverbindlichkeit und schneller Sex? Ich empfehle dir an dieser Stelle das Buch „The Big Five for Life“ von John Strelecky.

Warum Prioritäten und Ziele so wichtig ist? Du investierst schließlich auch nur in Immobilien oder ETFs, wenn finanzielle Sicherheit ein Meilenstein deines Lebens ist. Wer kein Ziel hat, handelt nicht. Und wer investiert weißt, dass wir die Früchte nicht sofort ernten.

Außerdem ist klar: Wer das Gefühl hat, unwichtig zu sein, entfernt sich aus Selbstschutz. Wenn du das also verhindern möchtest, wegen emotionaler Entfremdung verlassen zu werden, werde dir darüber bewusst, wo deine Prioritäten liegen.

 

Tipp 2: Sei genauso integer wie im Berufsleben

Du kennst Integrität aus deinem Berufsleben. Im Job bist du zuverlässig, respektvoll, du nimmst dir Zeit für neue Projekte, du lernst neue Tools und bildest dich weiter, du besprichst Strategien mit deinen KollegInnen und deinen Vorgesetzten? All diese Details sind maßgeblich für deinen beruflichen Erfolg verantwortlich.

Warum sollte es im Privatleben anders sein? Wie kann eine Beziehung gesund bleiben, wenn Stillstand immer ein Rückschritt ist? Wenn du genauso integer privat bist wie im Berufsleben, hast du bereits die wichtigsten Ressourcen, um auch privat erfolgreich zu sein.  

 

Tipp 3: Definiere so konkret wie möglich, was eine glückliche Beziehung ausmacht

Ziele und Investitionen leben von ihrer konkreten Umsetzung. Es reicht nicht, nur eine nette Vision zu skizzieren. Planung und Umsetzung sind essenziell. Was bedeutet das für Beziehungen? Zunächst geht es darum, ganz konkret zu definieren, was eine glückliche Beziehung für dich bedeutet.

Wenn du zum Beispiel in Immobilien investiert, stellst du dir ja auch die Frage, wie hoch die Rendite sein soll, ob du einen Cash Flow möchtest oder eine Anlage fürs Alter. Wenn du keine Antwort auf diese Fragen hast, weißt du auch nicht, in was oder wie du investieren sollst. Das Gleiche gilt für Beziehungen. Eine Beziehung, in der ihr euch nur über die Organisation eines Alltags austauscht, hat einen anderen “Return” als eine Beziehung, in der ihr über Werte und Ziele sprecht.

Ich habe für mich sehr klar definiert, was eine glückliche Beziehung ausmacht - und das hilft mir gerade in Krisensituationen. Wenn du inspiriert werden willst, was für mich eine glückliche Beziehung ausmacht, kannst du dich zu meinem Newsletter anmelden.


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Bildquelle: Austin Dustin via unsplash